„Do musch doch kokse, dass Dir so en Scheiß eifallt“

St. Verena feiert allerbeste Fasnet auf zwei Bällen an nur einem Tag

Kehlen (wie) Auch 2020 ist die Fasnet in St. Verena Kehlen wieder zum großen Fasnetsknaller geworden, beim Kaffeekränzle am Nachmittag und beim Verenaball am Abend. „Ob der do dobe do mithalte ka?“, war die große Frage in der „reinrassig katholischen Kirchenfasnet“.

So zumindest verkündete es Gabriele Zehrer in der Bütt und ging mit Technik und Fortschritt auf Kriegspfad. Sie nutzte das „Serviceangebot“ der Banken, legte ihr Konto Online an und ließ den Gerichtsvollzieher auf „Mehrgeldgriegstdunicht.de“ die Wohnung pfänden. „Jeder Depp hot e App“ wusste sie und nahm sich Heinzi, den Waldorfschulen-Vater vor, der mit gefilzten Kondomen die Familie vergrößerte und seine Intelligenzallergeriker dann, ins Inselzölibat schickt. „Do musch doch kokse, wenn Dir so en Scheiß eifallt“, schloss sie die Familienplanung und der technische Fortschritt ging ihr „am Arsch vorbei“. „Ob der do dobe do mithalten ka?“, ging ihr Finger gen Himmel. Denn: „Übers Wasser laufe war oifach, aber e Handy programmiere?“

Da tobte der Saal schon am Nachmittag und am Abend wieder. Rudi Bucher sorgte beim Kaffeekränzle für Schunkelrunden und lockte den kunterbunt maskierten Gästen so manches Lied von den Lippen. „Stich i mol di. Stichst Du mol mi“, sangen die Namenlosen (Matthias Schmid, Stefan Spöcker, Markus Maier, David und Wolfgang Götz) mit herrlichen Stimmen und brachen die Lanze für die Landwirtschaft. Als Drohnen, „stinkfaul und zum Nichtstun verbannt“, wussten sie genau, was Mensch und Tier so brauchen. „Liebe Leut aus Nah und fern, pflanzt viel Blumen, mit Volumen. Dann gibt es Met, bis euch der Schädel dreht“.

Zurück „in Deutscheland“ war „Angelo“ Markus Schaal und fühlte sich zuhause, angesichts der „Grande Misseria“ in Thüringen und der plus zwei Grad-Erwärmung im Schussental. Und „Trumpelen“ gab er Recht: „Klar ist der Klimaschutz ein Fake“. Denn es ist Petrus, der nur noch auf Wolke Vier schwebt und den Thermostat aufdreht, „weil frieret wie ein Schlossehund“. Da fehlten nur noch Thea Schappert und Hildegard Welte zu Kehlens Glück in der Bütt, die Bäcker Steffe, die Rekrutierung seines alten Personals empfahlen, Pfarrer Hänsler im Beichtstuhl auf Heizkissen setzten, Gabi Zehrer an kochte Schwänzle nagen ließen und den Pfeil gen „Mecka“ schossen. Denn mit der neuen Halle wären die mal dran beim Seniorennachmittag der Gemeinde: „Aha“, meinten sie als Hawlitschek und Posposchil, „dass die mal auch so viel können arbeiten wie Kehlen und Brochenzell? Ob das wohl klappt?“.

Die Redner verschonten keinen Lachmuskel der Gäste im zweimal ausverkauften Haus. Die waren ein ganz besonders tolles Publikum, was Martin Stocker und die Kehlener Musikanten auf den Punkt brachten: „Ihr seid der Wahnsinn!“. Bei jedem Stück tobte der Saal, klatsche, machte mit und hatte einfach richtig Spaß. Und wer dabei war, der weiß nun auch, was das Problem war mit dem „F“ von Ingrid Stefanac und Samuel Hoffmann, von der Theatergruppe Kehlen. (erschienen SZ Tettnang)